Die Glasmachersiedlung Kristiánov

Die Glasmachersiedlung Kristiánov – Dauerausstellung des Museums für Glas und Bijouterie in Jablonec nad Nisou.

Die Glasmachersiedlung Kristiánov befand sich im Isergebirge, nordöstlich von Bedřichov am Fuße des Schwarzbergs, in einer Höhe von ca. 800 m. Mitte der 70er Jahre des 18. Jahrhunderts errichtete der Glasunternehmer Johann Leopold Riedel eine Glashütte, um die herum eine Siedlung entstand, die ein Herrenhaus, mehrere Glasbläserhütten, einen Friedhof und eine Schule umfasste. Zu Ehren des Eigentümers der Reichenberger Herrschaft, des Grafen Christian Philipp Clam-Galas, der das Grundstück zur Gründung der Glashütte zur Verfügung stellte, wurde die Siedlung Christianstal – Kristiánov – benannt.

Der Ofen der Glashütte wurde zum ersten mal am Dreikönigstag des Jahres 1776 beheizt, das erste Glas dann am 17. Januar geschmolzen. Zu Beginn wurde Nutzglas erzeugt, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurde damit begonnen, Bijouterie-Halbfertigteile wie Stangen und Röhrchen herzustellen. Nach dem Jahr 1800 lief es aufgrund der ungünstigen Geschäftssituation und starken Konkurrenz allerdings nicht besonders gut und es reichte gerade so zum Überleben. Diese Krise wurde aber Dank der Bijouterie-Konjunktur überwunden und seit dem Ende der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts blühten die Geschäfte wieder. Aufgrund dessen wurde auch die Gestalt der Glashütte geändert, was in den Jahren 1853 – 1865 in ihrer Modernisierung mündete (Die Halle der Glashütte wurde verlängert, ein zweiter Ofen, eine Zieherei und schließlich ein dritter Ofen errichtet). 1874 wurde die direkte Beheizung der Öfen mit Holz durch Holzgas ersetzt. Trotzdem verlor die Glashütte aufgrund ihrer Lage an Bedeutung. Nach dem Jahr 1881 war der Betrieb sehr eingeschränkt. Deshalb wurde sie auch nicht wieder aufgebaut, nachdem sie am 7. August 1887 niederbrannte. 1881 verließen die Riedels Kristiánov. Der neue Eigentümer des verwaisten Herrenhauses wurde im Jahr 1890 Graf Franz Clam-Gallas und danach der Tschechoslowakische Wanderverein (1929). In den Jahren 1887 – 1933 diente das Gebäude als kostenloses Erholungsheim für bedürftige Mädchen des Liberecer Deutschen Alpenvereins, danach als Wanderunterkunft. Im Sommer 1938 wurde das Herrenhaus von der Tschechoslowakischen Armee konfisziert und am 4. Oktober brannte es bis auf die Grundmauern ab. Von der ursprünglichen Siedlung verblieb bis heute nur noch die sog. Fuchsbaude, die ursprünglich das Haus des Glasbläsers Fuchs war, danach ein Gasthaus, die heutige Hausnummer 52.

Gemäß der Vereinbarung über die Übertragung der Verwaltung von Nationaleigentum vom 8. und 9. April 1963 wurde das Gebäude vom Tschechoslowakischen Staat übernommen und dieser übertrug es anschließend an das Museum für Glas und Bijouterie. Das Fachwerkhaus wurde dann renoviert und das Denkmal für das Glaswesen im Isergebirge eingerichtet, das im Jahre 1964 eröffnet wurde. Eine weitere Renovierung wurde in den Jahren 1987 – 1988 durchgeführt. Nach einer Reihe solcher Teil-Renovierungen, die vor allem der Rettung des Gebäudes dienten, wurde die Fuchsbaude 2016 schließlich einer kompletten Restaurierung unterzogen.

Jetzt können Sie hier die Dauerausstellung „Glasmachersiedlung Kristiánov“ finden. Das Hauptausstellungsstück ist das dreidimensionale Modell der gesamten Siedlung Kristiánov in ihrer Blütezeit. In den Informationstafeln finden Besucher das Wichtigste aus der Geschichte der Siedlung sowie Details über die einzelnen, heute schon vergangenen Gebäude und deren Bewohner. Sie können sich aber auch die typischen Erzeugnisse der damaligen Glashütte ansehen – und dies sowohl als Repliken historischer Gegenstände, als auch als interaktive Elemente. Im Dachgeschoss können Kinder ein Holzmodell der Siedlung zusammenbauen und – wenn sie möchten – am Programm „Über den Glasbläser Fuchs“ mit dem Ziel teilnehmen, den Schatz des Hexers Talman zu finden. Für Schüler der Sekundarstufe wurde das Unterrichtsprogramm „Die Siedler von Kristiánov“ vorbereitet. Im Erdgeschoss des Fachwerkhauses kann man es sich am Kachelofen mit einem Imbiss gemütlich machen und Souvenirs mit Siedlungsmotiven käuflich erwerben.

Um zur Siedlung zu gelangen, kann der Lehrpfad „Der Weg der Glasmacher des Isergebirges“ genutzt werden, der vom Museum für Glas und Bijouterie in Jablonec nad Nisou bis nach Kristiánov führt und der Dank der finanziellen Unterstützung von Georg J. Riedel, einem Nachfahren des Gründers der Glashütte, eingerichtet wurde.

Das Museum ist jedes Jahr in der touristischen Sommersaison (ca. Von Mitte Mai bis Ende September) geöffnet. Aktuelle Informationen hier ».

 

EINTRITT
Eintritt 20 Kč
Familien-Karte
(2 Erwachsene und 1 – 3 Kinder, jedes weitere Kind 20 Kč) 50 Kč

Kontakt
Bedřichov č.p. 52, 468 12 Bedřichov
+420 483 369 011, +420 602 872 649
info@msb-jablonec.cz